Bauherrschaft: Stadt Zürich
Planung 2007-2010
Ausführung: 2008 - 2011
Das Oberstufenschulhaus Rebhügel liegt auf der flachen Kuppe des «Bühls», eines Moränenzugs, der sich vom Goldbrunnenplatz bis an die Uetlibergstrasse erstreckt. Wie so viele andere Schulhäuser in der Stadt Zürich sind die Gebäude von einer grosszügigen Grünanlage umgeben, die als wichtiger Freiraum für das Quartier dient. Eine städtische Wohnsiedlung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, stattliche Bürgerhäuser der Jahrhundertwende an der Wiedingstrasse und einfachere Einfamilienhäuser bilden die unmittelbare Nachbarschaft des Schulhauses; dazu kam 2007 die Überbauung Talwiesen Binz mit über 360 Wohnungen am Südfuss des Bühlhügels. Die Gartenanlage der Schule ist weitgehend im Originalzustand erhalten und im Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen von kommunaler Bedeutung aufgeführt. Sie zeichnet sich durch weite Flächen, sanfte Übergänge, hoch gewachsene Baumgruppen und schöne Einzelbäume aus. Stufen im Gelände werden durch niedrige Natursteinmauern markiert.
Das Schulhaus jedoch, 1951 vom Architekten Albert Notter als in den Raum ausgreifender Komplex mit mehreren Gebäuden und Trakten erbaut, ist nicht geschützt. Mit den heutigen Kriterien der Energie- und Kosteneffizienz wäre eine derartige Anlage nicht mehr zu realisieren – zu wenig kompakt sind die Baukörper. Effizient und nachhaltig ist hingegen eine gründliche und umfassende Instandsetzung, denn dadurch können die sechzig Jahre alten Gebäude für mindestens drei weitere Jahrzehnte für den Schulbetrieb genutzt werden.Die Sanierung betraf praktisch alle Bereiche der Bauten, von funktionalen Anpassungen über bauphysikalische Verbesserungen und den Austausch der Gebäudetechnik bis hin zur Erneuerung der Oberflächen. Sämtliche Sanitäranlagen, einschliesslich der Geräte und Leitungen, wurden ersetzt, ebenso die elektrischen Installationen und die Heizung mit Heizkörpern. Im Turnhallentrakt wurden zwei komplett neue Schulküchen eingebaut und die Umkleidekabinen vollständig erneuert. Neue Lifte und Rampen gewährleisten jetzt den hindernisfreien Zugang über alle Geschosse, und neue Verbindungstüren zwischen benachbarten Klassenzimmern erhöhen die Flexibilität der Nutzung.
Obwohl nur wenige Wände versetzt werden mussten, wurden die Gebäude stellenweise bis auf den Rohbau zurückgeführt, so tief gingen die Eingriffe, besonders im Klassenzimmertrakt. Dass der grosse Aufwand den Bauten innen wie aussen kaum anzusehen ist, liegt zum Einen daran, dass die neue Technik versteckt wurde und zum Anderen daran, dass die Architekten darauf verzichteten, Alt und Neu als Gegensatz zu inszenieren. Das Neue ist durchaus erkennbar, geht aber fliessend im Bestehenden auf. Wo immer möglich orientierten sich die Planer an den vorhandenen Originalmaterialien und -farben. Ihre umsichtige Sanierung zeugt von einem grossen Respekt und Verständnis der Baukultur der frühen Fünfzigerjahre. An vielen Stellen ist das spürbar, etwa in den Klassenzimmern, die trotz einer Rundumerneuerung vom Boden bis zur Decke immer noch zur Architektur des ganzen Schulhauses passen. Insgesamt erwies sich die vorgefundene Bausubstanz als robust und auch aus energetischer Sicht so weit brauchbar, dass keine neue Aussendämmung angebracht werden musste. Gezielte Massnahmen an ausgesuchten Schwachstellen wie den Rolladenkästen oder im Brüstungsbereich der Fenster bewirken bereits eine erhebliche Reduktion des Energieverbrauchs. Genauso sorgfältig wie im Inneren sind die Architekten beim einzigen von aussen sichtbaren markanten Eingriff vorgegangen, dem neuen Foyer vor dem Turnhallentrakt. Die zusätzliche eingeschossige Raumschicht löst auf einen Schlag einige architektonische und betriebliche Probleme. Sie verbessert die innere Verbindung von den im Untergeschoss gelegenen Umkleidekabinen zu der 1968 angebauten Turnhalle 3 und ermöglicht ausserdem deren externe Nutzung als Mehrzweckhalle für Veranstaltungen mit bis zu 400 Teilnehmenden. Die bis anhin mehrheitlich geschlossene und damit abweisend wirkende Fassade der Halle 3 erhält eine einladende Front, womit der ganze Schulhof aus architektonischer Sicht deutlich aufgewertet wird. Auch hier gelingt die nahtlose Einpassung des Neuen in das Bestehende, indem die vorgefundene Architektursprache aufgenommen und neu interpretiert wird. Die Arkade ist das räumliche Pendant zur gegenüber liegenden gedeckten Pausenhalle mit ihren steinernen Zwillingsstützen und der leichten Dachkonstruktion aus Holz. Massive Pfeiler, ebenfalls aus einem Granitblock gehauen, allerdings mit quadratischem Querschnitt, tragen im gleichen Rhythmus das Betondach. Darunter spannt sich als dünne Membran eine mehrfach geknickte Glaswand mit zwei grossen Eingängen, deren elegant geschwungene Türgriffe eine weitere Reminiszenz an die Nachkriegsarchitektur darstellen. Das fein ausbalancierte Verhältnis der miteinander verbundenen Gebäude zum Freiraum und besonders zum Hof – ein herausragendes Merkmal von Albert Notters Anlage – hat durch das neue Foyer eine leichte Verschie- bung erfahren, die das Gesamtsystem aber nicht aus dem Gleichgewicht bringt. Sinnbildlich für diese Balance steht die «schwebende» Brunnenfigur, die zusammen mit dem Wasserbecken um wenige Meter in Richtung Pausenhalle verschoben wurde: Wie bereit zum Sprung ins Wasser, markiert sie ganz selbstverständlich die neu gefundene Mitte des Schulhofes, als ob sich nichts verändert hätte.
Caspar Schärer (Text)
Theodor Stalder (Fotos)